
Hydrolyse vs. Salzelektrolyse – wo liegt der Unterschied?
Wer seinen Pool ohne ständiges Hantieren mit Chlortabletten pflegen möchte, stößt schnell auf zwei Begriffe: Salzelektrolyse und Hydrolyse. Beide Verfahren erzeugen das Desinfektionsmittel direkt im Wasser, beide brauchen Salz – und doch arbeiten sie nicht ganz gleich. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter den beiden Technologien steckt, worin sie sich unterscheiden und für welchen Pool welches System die bessere Wahl ist.
Das gemeinsame Grundprinzip
Beide Verfahren gehören zur Familie der salzbasierten Wasseraufbereitung. Im Wasser ist eine geringe Menge Salz (Natriumchlorid, NaCl) gelöst. Eine Elektrolysezelle leitet Strom durch dieses Salzwasser und spaltet dabei das Salz auf – es entsteht ein chlorhaltiges Desinfektionsmittel direkt im Kreislauf. Der große Vorteil: Sie müssen kein fertiges Chlor mehr lagern und dosieren, die Anlage produziert es laufend selbst. Praktisch ist auch, dass sich das Salz nicht verbraucht. Es durchläuft einen Kreislauf – aus Salz wird Chlor, das nach der Desinfektion wieder zu Salz zurückreagiert. Nennenswert Salz geht nur durch Rückspülen oder Wasserverlust verloren, nicht durch die Desinfektion selbst.
Der Salzgehalt liegt dabei weit unter dem von Meerwasser: Meist sind es rund 0,3 Prozent, also etwa ein Zehntel des Salzgehalts der Nordsee. Das Wasser fühlt sich dadurch weich an, brennt kaum in den Augen und wird von vielen als besonders angenehm empfunden. Wie ein solches System grundsätzlich funktioniert, lesen Sie im Ratgeber Wie funktioniert ein Salzwasserpool.

Die klassische Salzelektrolyse
Bei der reinen Salzelektrolyse erzeugt die Zelle aus dem gelösten Salz vor allem freies Chlor. Dieses freie Chlor übernimmt die komplette Desinfektion – genau wie bei einem klassisch gechlorten Pool, nur dass es kontinuierlich vor Ort entsteht. Gesteuert wird die Produktion über eine Redox-Messung, die anzeigt, wie wirksam das Wasser desinfiziert. Üblich sind Redox-Sollwerte von etwa 700 bis 750 mV, was grob 0,6 bis 1,0 mg/l freiem Chlor entspricht. Typische Salzgehalte für diese Anlagen liegen bei rund 3 bis 4 Gramm pro Liter.
Die Hydrolyse – ein Schritt mehr
Die Hydrolyse geht über die reine Salzspaltung hinaus. Hier wird zusätzlich das Wasser selbst (H₂O) an der Zelle aufgespalten, wodurch hochreaktive OH-Radikale und teilweise Ozon entstehen. Diese Oxidationsmittel sind sehr durchschlagskräftig und ergänzen die Wirkung des Chlors. Der praktische Nutzen: Weil die Desinfektion nicht allein auf Chlor angewiesen ist, kommen Hydrolyse-Systeme oft mit deutlich weniger Salz aus – manche „Low Salt"-Anlagen arbeiten schon mit etwa 1,5 Gramm pro Liter. Solche Geräte tragen häufig Namen mit „Hidrolife" oder „Oxilife". Wichtig ist, den vom Hersteller vorgegebenen, meist niedrigeren Salzwert genau einzuhalten – eine Hydrolyse-Anlage mit der Salzmenge einer klassischen Elektrolyse zu betreiben, überlastet das System.
Der direkte Vergleich
Die Unterschiede lassen sich auf wenige Punkte verdichten:
- Wirkprinzip: Salzelektrolyse erzeugt vor allem freies Chlor. Hydrolyse erzeugt zusätzlich OH-Radikale und Ozon und hat dadurch eine stärkere Oxidationskraft.
- Salzbedarf: Klassische Elektrolyse rund 3–4 g/l, Hydrolyse oft deutlich weniger (Low-Salt-Betrieb ab etwa 1,5 g/l).
- Wassergefühl: Durch den niedrigeren Salzgehalt wirkt das Wasser bei Hydrolyse-Systemen noch dezenter; der Salzgeschmack ist kaum wahrnehmbar.
- Materialschonung: Weniger Salz bedeutet tendenziell geringere Belastung für salzempfindliche Bauteile – die Materialregeln gelten aber für beide Systeme.
- Steuerung: Beide Anlagen regeln pH-Wert, Redox und Salzgehalt über ein Display und arbeiten technisch sehr ähnlich.

Was bei beiden Systemen entscheidend ist
Egal ob Salzelektrolyse oder Hydrolyse – ohne den richtigen pH-Wert läuft keines der beiden Systeme stabil. Ideal sind 7,0 bis 7,2, höchstens 7,4. Steigt der pH-Wert darüber, verliert die Desinfektion stark an Kraft, und das Wasser kann trüb werden oder kippen. Den pH-Wert sollten Sie deshalb konsequent im Blick behalten; Grundlagen dazu finden Sie unter pH-Wert Pool. Auch bei der Materialwahl ist Vorsicht geboten: Edelstahl ist nicht dauerhaft salzwasserbeständig, weshalb Titan und Kunststoff zu bevorzugen sind und eine fachgerechte Erdung Pflicht ist – mehr dazu im Ratgeber Edelstahl im Salzwasserpool.
Ein häufiges Missverständnis betrifft den Geruch: Riecht das Wasser streng nach Chlor, liegt das nicht an zu viel, sondern an zu wenig wirksamem Chlor und an gebundenem Chlor. Wie Sie damit umgehen, erklärt der Ratgeber Gebundenes Chlor & Chlorgeruch. Wichtig ist außerdem: Verwenden Sie nur spezielles Poolsalz und niemals Algizide auf Kupferbasis, da Kupfer die teure Zellenbeschichtung zerstört.
Sicherheit: Strom, Durchfluss und Gasbildung
Bei beiden Systemen arbeitet die Zelle mit elektrischem Strom am Wasserkreislauf, deshalb hat die Sicherheit hohe Priorität. Sämtliche Arbeiten am 230V-Netz sowie der elektrische Anschluss der Anlage dürfen ausschließlich durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Schließen Sie die Steuerung niemals selbst an, und öffnen Sie keine spannungsführenden Bauteile – das ist nicht nur eine Empfehlung, sondern aus Gründen des Personenschutzes zwingend.
Ebenso wichtig ist die Durchflusssicherung. Vor der Zelle muss ein Durchfluss- beziehungsweise Paddelschalter (Flow-Switch) sitzen; dieser ist Pflicht. Steht das Wasser in der Zelle, weil die Pumpe nicht läuft oder der Durchfluss zu gering ist, sammelt sich an den Platten Gas an – es droht Gasbildung mit Explosionsgefahr. Der Flow-Switch gibt die Stromzufuhr zur Zelle deshalb nur frei, wenn tatsächlich Wasser strömt. Betreiben Sie die Anlage daher grundsätzlich nur bei laufender Filterpumpe und überwachtem Durchfluss, und schalten Sie die Elektrolyse ab, sobald die Umwälzung steht.
Welches System passt zu Ihnen?
Wer eine bewährte, unkomplizierte Lösung sucht und mit dem üblichen Salzgehalt kein Problem hat, fährt mit einer klassischen Salzelektrolyse gut. Wer den Salzgehalt möglichst niedrig halten möchte, Wert auf zusätzliche Oxidationskraft legt und ein besonders weiches Wassergefühl schätzt, ist mit einer Hydrolyse-Anlage im Vorteil. In beiden Fällen gilt: Die Anlage darf nur laufen, wenn die Filterpumpe läuft und der Durchfluss über den Flow-Switch überwacht wird, die Sonden sind Verschleißteile und müssen regelmäßig kalibriert werden, und die Elektrolysezelle hält je nach Pflege mehrere tausend Betriebsstunden. Mit stabilen Wasserwerten und etwas Routine sorgen beide Verfahren für dauerhaft klares, angenehmes Poolwasser.
Das Wichtigste in Kürze
- Beide Verfahren erzeugen die Desinfektion aus gelöstem Salz direkt im Wasser.
- Salzelektrolyse produziert vor allem freies Chlor (ca. 3–4 g/l Salz).
- Hydrolyse spaltet zusätzlich Wasser zu OH-Radikalen/Ozon und kommt oft mit weniger Salz aus (Low Salt ab ~1,5 g/l).
- pH-Wert 7,0–7,2 ist bei beiden der Schlüssel; Titan/Kunststoff statt Edelstahl, kein Kupfer-Algizid.
- Salz verbraucht sich nicht – es geht nur durch Rückspülen und Wasserverlust verloren.
- Arbeiten am 230V-Netz und der Anschluss nur durch eine Elektrofachkraft.
- Ein Durchfluss-/Paddelschalter (Flow-Switch) vor der Zelle ist Pflicht – Betrieb nur bei laufender Pumpe und überwachtem Durchfluss, da sonst Gasbildung mit Explosionsgefahr droht.
Fragen & Antworten: Hydrolyse vs. Salzelektrolyse
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Was ist der Unterschied zwischen Hydrolyse und Salzelektrolyse?
Die Salzelektrolyse erzeugt aus gelöstem Salz vor allem freies Chlor. Die Hydrolyse spaltet zusätzlich das Wasser selbst und bildet hochreaktive OH-Radikale und teils Ozon. Dadurch hat sie eine stärkere Oxidationskraft und kommt oft mit weniger Salz aus. -
Braucht die Hydrolyse weniger Salz?
Ja, häufig. Viele Hydrolyse- oder „Low Salt"-Systeme arbeiten schon mit rund 1,5 g/l Salz, während klassische Salzelektrolysen meist 3–4 g/l benötigen. Wichtig ist, den vom Hersteller vorgegebenen Salzwert genau einzuhalten. -
Wie viel Salz ist im Wasser – schmeckt man das?
Der Salzgehalt liegt bei etwa 0,3 % und damit rund zehnmal niedriger als Meerwasser (ca. 3,5 %). Man schmeckt es nur leicht, es brennt nicht in den Augen, und das Wasser fühlt sich weich an. -
Muss ich ständig Salz nachfüllen?
Nein. Das Salz verbraucht sich nicht, sondern durchläuft einen Kreislauf: Aus Salz wird Chlor, das danach wieder zu Salz zurückreagiert. Nachfüllen müssen Sie nur den Verlust durch Rückspülen oder Wasseraustausch. -
Welcher pH-Wert ist bei Salzanlagen wichtig?
Ideal sind 7,0 bis 7,2, höchstens 7,4. Bei höherem pH-Wert verliert die Desinfektion stark an Wirkung, unabhängig davon, wie viel die Anlage produziert. Der pH-Wert ist bei beiden Systemen der entscheidende Stellhebel. -
Welches Material darf ich im Salzwasserpool verwenden?
Edelstahl ist nur bedingt salzwasserbeständig und kann bei höherem Salzgehalt oder falschen Werten korrodieren. Besser sind Titan und Kunststoff. Eine fachgerechte Erdung vor den Sonden ist Pflicht, um Kriechströme abzuleiten. -
Darf ich Algizid auf Kupferbasis einsetzen?
Nein, auf keinen Fall. Kupfer lagert sich auf den Elektrodenplatten ab und zerstört die katalytische Beschichtung der Zelle. Außerdem drohen schwarze Flecken im Becken. Verwenden Sie nur ausdrücklich für Salzanlagen geeignete Mittel. -
Wer darf die Anlage elektrisch anschließen?
Sämtliche Arbeiten am 230V-Netz und der elektrische Anschluss der Anlage dürfen ausschließlich durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Schließen Sie die Steuerung niemals selbst an und öffnen Sie keine spannungsführenden Bauteile. Das ist aus Gründen des Personenschutzes zwingend. -
Warum ist ein Durchfluss- oder Paddelschalter (Flow-Switch) Pflicht?
Vor der Zelle muss ein Durchfluss- beziehungsweise Paddelschalter (Flow-Switch) sitzen. Steht das Wasser in der Zelle, weil die Pumpe nicht läuft oder der Durchfluss zu gering ist, sammelt sich Gas an – es droht Gasbildung mit Explosionsgefahr. Der Flow-Switch gibt den Strom zur Zelle nur frei, wenn Wasser strömt. Betreiben Sie die Anlage daher nur bei laufender Pumpe und überwachtem Durchfluss. -
Kann ich eine Salzanlage in einen bestehenden Pool nachrüsten?
Ja. Nötig sind ein Bypass in der Verrohrung sowie Platz für Steuerung und Sonden, und vor der Zelle muss ein Durchfluss-/Paddelschalter (Flow-Switch) sitzen, da ohne Strömung Gasbildung mit Explosionsgefahr droht. Der elektrische Anschluss am 230V-Netz gehört zwingend in die Hände einer Elektrofachkraft. Wichtig ist vorab außerdem eine Bestandsaufnahme der verbauten Metalle, damit salzempfindliche Teile wie Edelstahlleitern nicht im Salzwasser korrodieren.