
Stoßchlorung im Pool: wann, wie, wie viel
Die Stoßchlorung, oft auch Schockchlorung genannt, ist die wirksamste Sofortmaßnahme, wenn das Poolwasser aus dem Gleichgewicht geraten ist. Statt der üblichen kleinen Erhaltungsdosis wird dem Wasser einmalig eine deutlich größere Chlormenge zugesetzt, um den Wert an freiem Chlor schlagartig anzuheben. Dieser Chlorüberschuss oxidiert organische Verunreinigungen, baut das geruchsverursachende gebundene Chlor ab und bringt beginnenden Algenbefall zum Stillstand. Richtig durchgeführt ist die Stoßchlorung unkompliziert, es kommt aber auf den richtigen Zeitpunkt, die passende Menge und ein paar Sicherheitsregeln an. Dieser Ratgeber erklärt, wann eine Stoßchlorung sinnvoll ist und wie Sie dabei Schritt für Schritt sicher vorgehen.

Wann ist eine Stoßchlorung nötig?
Eine Stoßchlorung ist immer dann das Mittel der Wahl, wenn das Wasser stärker belastet ist, als die normale Erhaltungschlorung bewältigen kann. Der häufigste Anlass ist ein erhöhter Wert an gebundenem Chlor. Liegt dieser über 0,5 mg/l, macht er sich durch den typischen stechenden Hallenbadgeruch und gereizte, gerötete Augen bemerkbar. Entgegen der landläufigen Annahme bedeutet dieser Geruch nicht zu viel, sondern zu wenig wirksames Chlor, denn das gebundene Chlor lässt sich nur durch einen Überschuss an freiem Chlor wieder abbauen.
Weitere klassische Auslöser sind beginnender Algenbefall mit grünlicher Verfärbung und glitschigen Wänden, trübes Wasser nach starker Nutzung, Hitzeperioden oder Gewitterregen sowie der Saisonstart nach dem Auswintern. Auch nach einer Poolparty mit vielen Badegästen, die viel Schweiß, Sonnencreme und Hautfette eingetragen haben, schafft eine Stoßchlorung wieder klare Verhältnisse. Häufig steckt hinter einem erhöhten Gehalt an gebundenem Chlor auch eine vermeidbare Ursache: ein zu niedriger Wert an freiem Chlor, zu geringer Frischwasserzusatz, eine zu selten durchgeführte Filterrückspülung oder Schmutz am Beckenboden, der nicht regelmäßig entfernt wird.
Vorbereitung: erst reinigen, dann chloren
Eine Stoßchlorung wirkt nur dann effektiv, wenn das Chlor nicht zuerst gegen den groben Schmutz ankämpfen muss. Deshalb steht am Anfang immer die mechanische Reinigung. Spülen Sie den Filter zunächst gründlich zurück, damit das im Filterbett angereicherte Material nicht weiter im Kreislauf zirkuliert. Reinigen Sie die Überlaufrinne und saugen Sie anschließend den Beckenboden ab, sodass alle wasserunlöslichen Verunreinigungen entfernt sind. Befreien Sie auch die Wasseroberfläche von sichtbarem Schmutz.
Prüfen Sie vor der Chlorgabe den pH-Wert und stellen Sie ihn in den unteren Idealbereich von 7,0 bis 7,2 ein, denn bei niedrigerem pH-Wert arbeitet das Chlor schneller und wirksamer. Oberhalb von 7,6 sinkt die Keimtötungsgeschwindigkeit deutlich, und die Gefahr von Kalkausfällungen und Trübungen steigt. Erst wenn das Becken sauber und der pH-Wert eingestellt ist, folgt die eigentliche Chlorstoßdosis. Planen Sie die Maßnahme außerhalb der Badezeit, idealerweise am Abend, damit das Wasser über Nacht durcharbeiten kann.
Wie viel Chlor: die richtige Dosis
Für eine wirksame Stoßchlorung sollten Sie den Wert an freiem Chlor spontan auf mindestens etwa 5 mg/l anheben, bei hartnäckigen Problemen auch höher. Als grobe Orientierung dient die Faustregel aus der Fachliteratur: rund 750 Gramm Calciumhypochlorit-Granulat oder etwa 5 Liter Natriumhypochlorit pro 100.000 Liter Wasser. Umgerechnet sind das etwa 7,5 Gramm Calciumhypochlorit pro Kubikmeter. Bei einem typischen Becken mit 30 Kubikmetern entspricht das rund 220 Gramm Granulat. Wiegen Sie die Menge ab und richten Sie sich zusätzlich nach der Dosierangabe des Herstellers, da der Chlorgehalt der Produkte schwankt.
Verwenden Sie für die Stoßchlorung schnell lösliches, unstabilisiertes Chlor wie Calcium- oder Natriumhypochlorit und nicht die langsam löslichen, stabilisierten Tabletten aus dem Dosierschwimmer. Lösen Sie Granulat nach Herstellerangabe vorzugsweise in einem Eimer Wasser vor oder streuen Sie es gleichmäßig über die Wasseroberfläche. Geben Sie das Chlor dabei immer ins Wasser und niemals umgekehrt Wasser auf das Chlor.

Schritt für Schritt durchführen
Damit die Stoßchlorung sicher und gründlich gelingt, gehen Sie am besten in dieser Reihenfolge vor:
- Außerhalb der Badezeit: Führen Sie die Stoßchlorung abends nach dem Baden durch, idealerweise so, dass das Becken über Nacht durcharbeiten kann.
- Filter rückspülen, Rinne und Boden reinigen: Alle wasserunlöslichen Verunreinigungen vorab entfernen.
- pH-Wert einstellen: Auf 7,0 bis 7,2 korrigieren, damit das Chlor optimal wirkt.
- Chlor gleichmäßig zugeben: Vorgelöstes oder über die Oberfläche verteiltes Granulat bei laufender Umwälzung einbringen.
- Umwälzung laufen lassen: Die Pumpe mehrere Stunden, am besten über Nacht, durchlaufen lassen, damit sich das Chlor gleichmäßig verteilt.
- Nachmessen und freigeben: Erst wieder baden, wenn freies Chlor und pH-Wert zurück im Normalbereich liegen.
Sicherheit: Chlor niemals mit anderen Chemikalien mischen
Der wichtigste Sicherheitsgrundsatz im Umgang mit Chlorprodukten lautet: Chlor und seine wässrigen Lösungen dürfen mit keiner anderen Chemikalie vermischt werden, sondern stets nur mit Wasser. Besonders gefährlich ist die Kombination von Chlor mit Säure oder pH-Senker. Wird Säure direkt zu einer Chlorlösung gegeben, entsteht sofort giftiges Chlorgas. Mischen Sie deshalb niemals Chlorgranulat oder eine Chlorlösung mit pH-Minus, mit einem anderen Chlorprodukt oder mit irgendeiner sonstigen Poolchemie im selben Eimer.
Geben Sie pH-Senker und Chlor immer getrennt und mit zeitlichem Abstand ins Beckenwasser, nicht in ein gemeinsames Gefäß. Lagern Sie Chlorprodukte kühl, trocken, dunkel und getrennt von Säuren. Vermeiden Sie Hautkontakt und das Einatmen von Stäuben oder Dämpfen und tragen Sie beim Hantieren mit Granulat Handschuhe. Setzen Sie zusätzlich Algenvernichter auf Quat-Basis ein, sollten Sie mindestens zwölf Stunden vorher stoßchloren, da die Kombination so am besten wirkt. Quats ersetzen die Chlorung nicht, sind aber chlorverträglich.
Worauf Sie danach achten müssen
Die Zugabe großer Chlormengen verschiebt den pH-Wert, deshalb müssen Sie ihn nach der Stoßchlorung erneut messen und gegebenenfalls korrigieren. Das Becken darf erst wieder genutzt werden, wenn der Wert an freiem Chlor auf den üblichen Pflegebereich von etwa 0,3 bis 0,6 mg/l abgesunken ist und der pH-Wert wieder im Normalbereich liegt. Mit Teststreifen, einem DPD-Photometer oder über den richtigen Weg, das Poolwasser zu messen, kontrollieren Sie beide Werte zuverlässig. Erzwingen lässt sich das Absinken nicht; bei Bedarf helfen Geduld, längere Umwälzung und Sonnenlicht, das unstabilisiertes Chlor abbaut.
Stoßchlorung vermeiden: durch gute Routine
Eine Stoßchlorung ist eine Reparaturmaßnahme, kein Ersatz für die laufende Pflege. Wer die Wasserwerte regelmäßig kontrolliert, ausreichend filtert und den freien Chlorwert konstant hält, braucht den Chlorstoß nur selten. Halten Sie den freien Chlorgehalt dauerhaft im Bereich von 0,3 bis 0,6 mg/l, messen Sie zwei- bis dreimal pro Woche, sorgen Sie für genügend Frischwasserzusatz und spülen Sie den Filter rechtzeitig. Hilfreiche Grundlagen liefern die Ratgeber Gebundenes Chlor und Chlorgeruch sowie Chlor im Pool richtig dosieren. Dann bleibt das gebundene Chlor niedrig, Algen bekommen keine Chance, und das Wasser bleibt ohne dramatische Eingriffe klar und geruchsfrei.
Das Wichtigste in Kürze
- Stoßchlorung = einmalige hohe Chlordosis gegen gebundenes Chlor, Algen und Trübung.
- Chlorgeruch heißt zu wenig wirksames Chlor, nur ein Überschuss baut gebundenes Chlor ab.
- Reihenfolge: rückspülen, Rinne und Boden reinigen, pH auf 7,0 bis 7,2, dann Chlor zugeben.
- Dosis: freies Chlor auf rund 5 mg/l anheben, etwa 7,5 g Granulat pro m³, bei 30 m³ also rund 220 g.
- Sicherheit: Chlor nie mit Säure, pH-Senker oder anderer Chemie mischen, sonst entsteht giftiges Chlorgas. Nur mit Wasser ansetzen.
- Immer außerhalb der Badezeit, danach pH nachmessen, erst bei Normalwerten wieder baden.
Fragen & Antworten: Stoßchlorung im Pool
- Was ist eine Stoßchlorung?
Bei der Stoßchlorung wird dem Poolwasser einmalig eine deutlich größere Chlormenge zugesetzt, um den Wert an freiem Chlor schlagartig anzuheben. Der Chlorüberschuss oxidiert organische Verunreinigungen, baut gebundenes Chlor ab und stoppt beginnenden Algenbefall. - Wann sollte ich stoßchloren?
Bei erhöhtem gebundenem Chlor über etwa 0,5 mg/l mit stechendem Geruch, bei beginnenden Algen, trübem Wasser nach starker Nutzung, Hitze oder Gewitter sowie zum Saisonstart. Auch nach einer Poolparty mit vielen Badegästen ist eine Stoßchlorung sinnvoll. - Wie viel Chlor brauche ich für die Stoßchlorung?
Heben Sie den Wert an freiem Chlor spontan auf mindestens etwa 5 mg/l an. Als Faustregel gelten rund 750 Gramm Calciumhypochlorit-Granulat je 100.000 Liter, also etwa 7,5 Gramm pro Kubikmeter. Bei einem 30-m³-Becken sind das rund 220 Gramm. Alternativ etwa 5 Liter Natriumhypochlorit pro 100.000 Liter. - Welches Chlor eignet sich für die Stoßchlorung?
Verwenden Sie schnell lösliches, unstabilisiertes Chlor wie Calcium- oder Natriumhypochlorit, nicht die langsam löslichen stabilisierten Tabletten aus dem Dosierschwimmer. Granulat möglichst in einem Eimer Wasser vorlösen oder gleichmäßig über die Oberfläche streuen. - Darf ich Chlor mit pH-Senker oder anderen Mitteln mischen?
Nein, auf keinen Fall. Chlor und seine Lösungen dürfen mit keiner anderen Chemikalie vermischt werden, sondern stets nur mit Wasser. Gibt man Säure oder pH-Senker direkt zu einer Chlorlösung, entsteht sofort giftiges Chlorgas. Dosieren Sie pH-Senker und Chlor immer getrennt und mit zeitlichem Abstand ins Becken. - Warum riecht mein Pool nach Chlor, obwohl ich chlore?
Der typische Chlorgeruch stammt vom gebundenen Chlor und bedeutet zu wenig wirksames Chlor, nicht zu viel. Nur ein Überschuss an freiem Chlor, etwa durch eine Stoßchlorung, baut das gebundene Chlor wieder ab. - Wie lange nach der Stoßchlorung darf ich nicht baden?
Erst wieder baden, wenn der Wert an freiem Chlor auf den üblichen Pflegebereich von etwa 0,3 bis 0,6 mg/l abgesunken ist und der pH-Wert im Normalbereich liegt. Je nach Dosis und Sonneneinstrahlung dauert das einige Stunden bis zu einem Tag. - Muss ich nach der Stoßchlorung den pH-Wert prüfen?
Ja. Die Zugabe großer Chlormengen verschiebt den pH-Wert. Messen Sie ihn nach der Stoßchlorung erneut und korrigieren Sie ihn bei Bedarf zurück in den Idealbereich von 7,0 bis 7,2.