
pH- und Redox-Sonden kalibrieren und pflegen
Eine automatische Dosieranlage ist nur so gut wie ihre Messsonden. Sie sind die Sinnesorgane der Anlage: Liefern sie falsche Werte, dosiert das beste Gerät am tatsächlichen Bedarf vorbei. Genau deshalb dreht sich ein großer Teil aller Probleme rund um die automatische pH- und Chlorregelung um ein einziges Thema, die Kalibrierung. Wer seine Sonden regelmäßig pflegt und richtig abgleicht, erspart sich Fehlalarme, grünes Wasser und unnötigen Chemieverbrauch. Dieser Ratgeber erklärt, warum kalibriert werden muss, wie Sie sicher vorgehen und wie Sie die Sonden lange am Leben halten.
Warum Sonden überhaupt kalibriert werden müssen
Sonden sind Verschleißteile. Ihr empfindliches Messglas verändert sich mit der Zeit, und die angezeigten Werte driften langsam weg vom wahren Wert. Beschleunigt wird das durch warmes Wasser, durch Fette und Sonnencreme, die einen feinen Film auf dem Sondenglas hinterlassen, sowie durch Kalk. Die Folge: Das Display zeigt beispielsweise pH 7,8, während das Wasser in Wirklichkeit bei 7,2 liegt. Kalibrieren bedeutet, der Anlage anhand bekannter Referenzlösungen wieder beizubringen, was richtig ist.
Als Faustregel sollten Sie die Sonden mindestens zwei- bis dreimal pro Saison kalibrieren, zwingend beim Saisonstart. Ein klares Warnsignal ist eine Abweichung von mehr als 0,1 bis 0,2 pH zwischen dem Anlagendisplay und einer unabhängigen Handmessung. Vertrauen Sie der Anlage also nie blind, sondern prüfen Sie regelmäßig mit einem Photometer gegen. Worauf Sie dabei achten müssen, lesen Sie im Ratgeber Messfehler bei der Wasseranalyse vermeiden.

Was pH- und Redox-Sonde unterscheidet
Die pH-Sonde misst den Säuregrad direkt und wird mit Pufferlösungen kalibriert, also mit Flüssigkeiten mit einem exakt bekannten pH-Wert, an denen die Anlage ihren Maßstab ausrichtet. Die Redox-Sonde dagegen misst keine Chlormenge in mg/l, sondern die Redoxspannung in Millivolt. Dieser Wert beschreibt die Desinfektionskraft des Wassers, also wie schnell Keime abgetötet werden. Für private Pools gilt ein Redoxwert um 750 mV als guter Richtwert. Wichtig zu verstehen: Redox lässt sich nicht linear in mg/l Chlor umrechnen, und der Wert hängt stark vom pH-Wert ab. Stellen Sie deshalb zuerst den pH-Wert sauber auf etwa 7,2 ein, bevor Sie den Redoxwert beurteilen. Mehr zu diesem zentralen Wert erfahren Sie im Ratgeber pH-Wert Pool.
So kalibrieren Sie Schritt für Schritt
Halten Sie zuerst frische, einwandfreie Pufferlösungen bereit, denn sie sind die Grundlage jeder gelungenen Kalibrierung. Mit alten oder verschmutzten Pufferlösungen zu kalibrieren ist der häufigste Anwenderfehler. Bevor Sie eine Sonde aus der Messzelle nehmen, machen Sie die Anlage sicher: Schalten Sie die Dosierung ab beziehungsweise stoppen Sie das Gerät und arbeiten Sie nur bei stehender Dosierung. Da die Dosieranlage in der Regel an die Umwälzpumpe gekoppelt ist und ohne Strömung keine Chemie fördern darf, vermeiden Sie so eine ungewollte Dosierung in die offene Messstrecke. Gehen Sie dann ruhig und sorgfältig vor:
- Schrauben Sie die Sonde vorsichtig aus der Messzelle und spülen Sie sie kurz mit destilliertem oder demineralisiertem Wasser ab. Verwenden Sie kein Leitungswasser, da dessen Ionen den Messfilm und das Diaphragma beeinflussen können. Sitzt ein sichtbarer Belag auf dem Glas, reinigen Sie ihn mit einem geeigneten Sondenreiniger.
- Starten Sie im Menü den Kalibriervorgang und folgen Sie der Anleitung. Tauchen Sie die Sonde nacheinander in die vorgesehenen Pufferlösungen und warten Sie, bis sich der Wert stabilisiert hat.
- Bestätigen Sie die einzelnen Punkte. Die Elektronik berechnet daraus den neuen Maßstab und übernimmt ihn.
- Setzen Sie die Sonde wieder in die senkrecht montierte Durchflussarmatur ein, nehmen Sie die Anlage wieder in Betrieb und prüfen Sie nach kurzer Einlaufzeit gegen eine Handmessung.
Ein wichtiges Detail am Rande: Die Sondenstecker (BNC) dürfen niemals nass werden. Schon geringe Feuchtigkeit erzeugt Kriechströme, die die Messung massiv verfälschen. Trocknen Sie die Hände und die Anschlüsse vor dem Hantieren ab.

Wenn die Kalibrierung fehlschlägt
Meldet die Anlage einen Offset- oder Slope-Fehler, liefert die Sonde Werte außerhalb der Toleranz, die sich nicht mehr schönrechnen lassen. Arbeiten Sie die Ursachen der Reihe nach ab: Prüfen Sie zuerst die Pufferlösungen, also ob sie noch haltbar und klar sind. Ist eine Lösung trübe geworden, gehört sie entsorgt. Hilft das nicht, reinigen Sie die Sonde gründlich. Bleibt der Fehler bestehen, ist die Sonde schlicht verbraucht und muss ausgetauscht werden. Versuchen Sie nie, einen Kalibrierfehler einfach wegzudrücken, denn die Anlage dosiert sonst auf Basis falscher Werte.
Ein typischer Frühjahrsfall: Die Kalibrierung schlägt fehl, weil die Sonden über den Winter ausgetrocknet sind. Eine trocken gelagerte Sonde ist in aller Regel hinüber.
Wenn der Redoxwert nicht über 600 mV kommt
Reagiert der Redoxwert nur träge und bleibt etwa unter 600 mV stecken, ist nicht automatisch die Sonde schuld. Prüfen Sie systematisch mehrere Ursachen:
- Zu wenig freies Chlor im Wasser. Eine Stoßchlorung kann den Pegel wieder anheben.
- Ein zu hoher pH-Wert. Senken Sie den pH-Wert in Richtung 7,0, damit die vorhandene Chlormenge wieder wirksam desinfiziert.
- Eine Überstabilisierung durch zu viel Cyanursäure. Messen Sie den Stabilisator. Er sollte 50 mg/l nicht überschreiten, sonst bremst er die Desinfektionswirkung trotz ausreichendem Chlor aus.
- Eine vergiftete oder verbrauchte Sonde, die nicht mehr sauber misst und ersetzt werden muss.
Wie freies und gebundenes Chlor zusammenhängen und warum die Desinfektionskraft mehr ist als die reine Chlormenge, erklärt der Ratgeber Freies, gebundenes und Gesamtchlor.
Sicherer Umgang mit den Chemikalien
Rund um die Dosieranlage arbeiten Sie mit konzentrierten Chemikalien, meist flüssigem pH-Minus auf Säurebasis und flüssigem Chlor. Tragen Sie beim Hantieren passende persönliche Schutzausrüstung, also Schutzbrille und säurefeste Handschuhe, und sorgen Sie für gute Belüftung des Technikraums. Die wichtigste Regel: Säure und Chlor dürfen niemals zusammenkommen, denn die Vermischung setzt giftiges Chlorgas frei. Stellen Sie die Kanister deshalb getrennt auf und sichern Sie sie zusätzlich gegen Auslaufen. Eine Auffangwanne ist hier nicht nur sinnvoll, sondern nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) auch vorgeschrieben. Vor Wartungsarbeiten oder zum Saisonende nehmen Sie die Saugschläuche aus den Kanistern, hängen sie in einen Eimer mit warmem Wasser und spülen über die Entlüftungsfunktion die Schläuche und Impfventile durch, damit dort keine Chemie auskristallisiert.
Sonden richtig pflegen und einwintern
Die Lebensdauer Ihrer Sonden entscheidet sich vor allem über die Aufbewahrung. Die wichtigste Regel lautet: niemals trocken lagern. Zum Saisonende gehen Sie in dieser Reihenfolge vor, damit weder Sie noch die Anlage zu Schaden kommen:
- Zuerst die Chemie entfernen: Saugschläuche aus den Kanistern nehmen und über die Entlüftungsfunktion Schläuche sowie Impfventile mit warmem Wasser spülen.
- Erst dann die Sonden aus der Messzelle schrauben und sofort in ihren Köcher mit KCl-Lösung (3 mol/l) stellen, frostfrei gelagert.
- Das Wasser aus der Messzelle und der Verrohrung ablassen, damit nichts gefriert und die Armatur sprengt.
- Zum Schluss die Anlage stromlos machen.
Ein kleiner Vorfilter vor der Messzelle hält Schmutz von den Sonden fern und verlängert ihre Lebensdauer deutlich. Auch die Pufferlösungen wollen gut behandelt werden: kühl, dunkel und verschlossen, nicht einfrieren, und niemals gebrauchte Lösung zurück in die Flasche kippen, weil das den ganzen Vorrat kontaminiert. Mit dieser Pflege bleiben Ihre Sonden zuverlässig und die Dosieranlage misst, was wirklich im Wasser ist. Wie die Anlage insgesamt funktioniert, zeigt der Ratgeber Automatische Dosieranlage: Funktion und Einbau.
Das Wichtigste in Kürze
- Sonden sind Verschleißteile, mindestens zwei- bis dreimal pro Saison kalibrieren, zwingend beim Start.
- Warnsignal: Abweichung über 0,1 bis 0,2 pH zwischen Display und Handmessung mit dem Photometer.
- Vor dem Ausbau die Dosierung stoppen und die Anlage sicher abschalten, damit keine Chemie ungeregelt austritt.
- Sonden nur mit destilliertem oder demineralisiertem Wasser abspülen, nicht mit Leitungswasser.
- pH-Sonde mit frischen Pufferlösungen kalibrieren; Redox misst mV (Richtwert rund 750), nicht mg/l, und hängt vom pH-Wert ab.
- Redox unter 600 mV: zu wenig freies Chlor, zu hoher pH, Überstabilisierung durch Cyanursäure (nicht über 50 mg/l) oder vergiftete Sonde prüfen.
- BNC-Stecker dürfen nie nass werden, Kriechströme verfälschen die Messung.
- Offset- oder Slope-Fehler: erst Puffer prüfen, dann Sonde reinigen, sonst tauschen, nie wegdrücken.
- Chemikaliensicherheit: Schutzbrille und Handschuhe tragen, Säure und Chlor getrennt halten (Chlorgasgefahr), Auffangwanne nach WHG.
- Niemals trocken lagern: Sonden über den Winter in KCl-Lösung (3 mol/l) frostfrei aufbewahren.
Fragen & Antworten: pH- und Redox-Sonden kalibrieren
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Wie oft muss ich die Sonden kalibrieren?
Mindestens zwei- bis dreimal pro Saison und zwingend beim Saisonstart. Sonden driften mit der Zeit und verschmutzen durch Fette und Kalk. Ein klares Signal zum Nachkalibrieren ist eine Abweichung über 0,1 bis 0,2 pH zwischen Display und Handmessung. -
Worauf muss ich vor dem Ausbau einer Sonde achten?
Stoppen Sie zuerst die Dosierung und schalten Sie die Anlage sicher ab, bevor Sie eine Sonde aus der Messzelle schrauben. So tritt keine Chemie ungeregelt in die offene Messstrecke aus. Beim Einwintern machen Sie die Anlage zum Schluss komplett stromlos. -
Womit spüle ich die Sonde nach dem Ausbau ab?
Verwenden Sie destilliertes oder demineralisiertes Wasser, kein Leitungswasser. Die Ionen im Leitungswasser können den Messfilm und das Diaphragma der Elektrode beeinflussen und die Messung verfälschen. Sitzt ein Belag auf dem Glas, hilft ein geeigneter Sondenreiniger. -
Was bedeutet ein Redoxwert von 750 mV?
Der Redoxwert misst die Desinfektionskraft des Wassers in Millivolt, nicht die Chlormenge in mg/l. Rund 750 mV gelten für private Pools als guter Richtwert. Der Wert hängt stark vom pH ab, deshalb stellen Sie zuerst den pH-Wert auf etwa 7,2 ein. -
Mein Redoxwert kommt nicht über 600 mV, woran liegt das?
Nicht immer ist die Sonde schuld. Prüfen Sie das freie Chlor (zu wenig?), den pH-Wert (zu hoch?, dann Richtung 7,0 senken) und die Cyanursäure. Liegt der Stabilisator über 50 mg/l, ist das Wasser überstabilisiert und das Chlor wirkt kaum noch. Auch eine vergiftete oder verbrauchte Sonde kommt als Ursache infrage. Eine Stoßchlorung hebt den Pegel oft wieder an. -
Beim Kalibrieren kommt ein Offset- oder Slope-Fehler, woran liegt das?
Die Sonde liefert Werte außerhalb der Toleranz. Prüfen Sie zuerst die Pufferlösungen (haltbar, klar?), reinigen Sie dann die Sonde mit Sondenreiniger. Hilft beides nicht, ist die Sonde verbraucht und muss ausgetauscht werden. Drücken Sie den Fehler niemals einfach weg. -
Warum darf der BNC-Stecker der Sonde nicht nass werden?
Schon geringe Feuchtigkeit am Stecker erzeugt Kriechströme, die das hochohmige Messsignal massiv verfälschen. Trocknen Sie Hände und Anschlüsse vor dem Hantieren ab und halten Sie die Stecker stets trocken. -
Worauf muss ich beim Umgang mit der Chemie achten?
Tragen Sie Schutzbrille und säurefeste Handschuhe und lüften Sie den Technikraum gut. Halten Sie Säure und Chlor strikt getrennt, da die Vermischung giftiges Chlorgas freisetzt. Stellen Sie die Kanister in eine Auffangwanne, die nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) vorgeschrieben ist. -
Wie lagere ich die Sonden über den Winter?
Niemals trocken. Schrauben Sie die Sonden aus der Messzelle und stellen Sie sie in ihren Köcher mit KCl-Lösung (3 mol/l), frostfrei gelagert. Trocken gelagerte Sonden sind im Frühjahr in der Regel defekt. Lassen Sie zuvor das Wasser aus der Messzelle ab, damit nichts gefriert. -
Wie bewahre ich die Pufferlösungen auf?
Kühl, dunkel und gut verschlossen, nicht einfrieren lassen. Die Haltbarkeit beträgt meist ein bis zwei Jahre. Ist eine Lösung trübe, entsorgen Sie sie. Kippen Sie gebrauchte Pufferlösung nie zurück in die Flasche, das kontaminiert den ganzen Vorrat.