
Messfehler bei der Wasseranalyse im Pool
Sie messen Ihre Wasserwerte gewissenhaft, dosieren nach Anzeige und trotzdem stimmt etwas nicht? Häufig liegt die Ursache nicht im Wasser, sondern in der Messung selbst. Teststreifen, Tablettentests und Photometer liefern nur dann verlässliche Werte, wenn Sie ihre typischen Fehlerquellen kennen. Eine ungünstige Probenahme, gealterte Reagenzien oder ein überraschend hoher Chlorwert können das Ergebnis so verfälschen, dass Sie in die völlig falsche Richtung nachdosieren. Dieser Ratgeber zeigt, wo die häufigsten Messfehler lauern und wie Sie ihnen aus dem Weg gehen.
Schon die Probenahme entscheidet
Der erste Fehler passiert oft, bevor das Reagenz überhaupt ins Spiel kommt. Wo und wie Sie die Wasserprobe entnehmen, beeinflusst das Ergebnis erheblich. Entnehmen Sie die Probe aus dem oberflächennahen Bereich, etwa 10 bis 30 cm unter der Wasseroberfläche und rund 50 cm vom Beckenrand entfernt. So erfassen Sie repräsentatives Beckenwasser. Messen Sie nicht direkt an der Einlaufdüse, denn dort ist das frisch aufbereitete Wasser nicht repräsentativ für das gesamte Becken. Die Analyse sollte unmittelbar nach der Probenahme erfolgen, da sich der Chlorgehalt sonst verändert.
Besonders heikel ist die pH-Messung: Die Probe muss ohne Verwirbelung und Belüftung in das Probengefäß gelangen. Schwappt das Wasser oder wird es geschüttelt, entweicht Kohlendioxid und der gemessene pH-Wert fällt zu hoch aus. Füllen Sie die Küvette also ruhig und randvoll, ohne unnötig zu plätschern. Bei der Chlorbestimmung gilt umgekehrt: Vermeiden Sie ein Ausgasen von Chlor durch Pipettieren oder Schütteln, sonst messen Sie zu niedrig.
Ebenso wichtig ist eine saubere Küvette. Reste von Sonnencreme an den Fingern, Spülmittel im Röhrchen oder ein verschmutzter Deckel können die Farbreaktion verfälschen. Spülen Sie das Gefäß vor jeder Messung mit dem zu untersuchenden Poolwasser aus statt mit Leitungswasser, damit keine Fremdstoffe das Ergebnis beeinflussen. Halten Sie außerdem das im Verfahren angegebene Probevolumen genau ein, denn schon kleine Abweichungen verschieben das Resultat.

Die Schwächen von Teststreifen
Teststreifen sind beliebt, weil sie schnell und unkompliziert sind, doch genau ihre Bequemlichkeit hat einen Preis an Genauigkeit. Die Farbe entwickelt sich direkt auf dem Trägermaterial und ist gerade bei niedrigen Messwerten oft so schwach, dass sich kaum etwas ablesen lässt. Verlässliche Farben zeigen viele Streifen erst bei höheren Werten. Hinzu kommt, dass Sie die entstandene Färbung gegen eine aufgedruckte Farbskala vergleichen müssen. Das Farbempfinden ist von Mensch zu Mensch verschieden und schon abweichendes Licht führt zu Fehleinschätzungen. Für eine grobe Tendenz sind Teststreifen brauchbar, für die präzise Einstellung von pH-Wert und Chlor sind Tablettentests oder ein Photometer die bessere Wahl.
Auch beim kolorimetrischen Vergleich mit einer Farbscheibe spielt das Licht eine Rolle. Wechselnde Lichtverhältnisse, etwa eine Mischung aus Tageslicht und Kunstlicht, verfälschen den Farbeindruck. Messen Sie möglichst bei gleichmäßigem Tageslicht und vergleichen Sie immer in der gleichen Umgebung. Welche Messmethoden es gibt und wie sie sich unterscheiden, lesen Sie im Ratgeber Poolwasser messen: DPD, Teststreifen, Photometer.
Der tückische Chlorine-Lock
Ein besonders irreführender Fall betrifft Pools mit Chlorstabilisator. Die Cyanursäure bindet einen Teil des Chlors als Depot, und die DPD-No.1-Tablette zeigt Ihnen das gesamt verfügbare Chlor an, also die Summe aus freiem und gebundenem Chlor. Mit steigender Cyanursäure sinkt der tatsächlich wirksame freie Anteil deutlich: Bei 70 mg/l Cyanursäure sind nur noch rund 28 Prozent des angezeigten Chlors freies Chlor, bei 100 mg/l sogar nur etwa 12 Prozent. Genau deshalb sollte die Cyanursäure regelmäßig überwacht werden und 100 mg/l nicht überschreiten (EN 16713). Reduzieren lässt sie sich durch Verdünnung mit Füllwasser.
Liegt die Cyanursäure über 200 mg/l, steht praktisch keine nennenswerte Chlorkonzentration mehr für die Desinfektion zur Verfügung, weil das Chlor nahezu vollständig an die Cyanursäure gebunden ist. Der DPD-Test zeigt Ihnen dennoch einen scheinbar ordentlichen Chlorwert an. Dieser Effekt heißt Chlorine-Lock. Wer ihn nicht kennt, wundert sich über Algen und trübes Wasser trotz passendem Chlorwert. Behalten Sie deshalb auch die Cyanursäure im Auge, wie unser Ratgeber Cyanursäure als Chlorstabilisator erklärt.

Wenn ein hoher Chlorwert zu niedrig erscheint
Ein klassischer Trugschluss entsteht bei sehr hohen Chlorgehalten, etwa direkt nach einer Stoßchlorung. Beim DPD-Test färbt sich die Probe normalerweise rosa, je intensiver, desto mehr Chlor. Bei Chlorwerten über 10 mg/l kann der Indikator jedoch wieder ausbleichen, sodass die Färbung nahezu farblos wird. Das Ergebnis sieht dann nach sehr wenig Chlor aus, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Wer in dieser Situation nachchlort, verschlimmert das Problem.
Misstrauen Sie deshalb einem auffällig niedrigen Wert unmittelbar nach einer Stoßchlorung. Wiederholen Sie die Bestimmung mit verdünntem Schwimmbadwasser, zum Beispiel im Verhältnis 1:10, und rechnen Sie das Ergebnis entsprechend hoch. So entlarven Sie den scheinbar niedrigen Wert als das, was er ist, nämlich ein Ausbleichen durch Chlorüberschuss. Mehr zur richtigen Vorgehensweise finden Sie im Ratgeber Stoßchlorung durchführen.
Achten Sie auch auf den Ablauf des DPD-Verfahrens: Das freie Chlor wird mit der ersten Tablette sofort gemessen, der Gesamtchlorwert erst nach Zugabe der zweiten Tablette und einer Wartezeit von etwa zwei Minuten. Wer zu früh oder in falscher Reihenfolge abliest, erhält verzerrte Werte für das gebundene Chlor. Wie freies, gebundenes und Gesamtchlor zusammenhängen, lesen Sie im Ratgeber Freies, gebundenes und Gesamtchlor.
Gealterte Reagenzien und falsche Lagerung
Reagenztabletten und Flüssigreagenzien haben eine begrenzte Haltbarkeit. Beschädigte Tabletten mit grauer Verfärbung oder braunen Sprenkeln sind unbrauchbar und dürfen nicht mehr verwendet werden, weil sie nicht mehr zuverlässig reagieren. Abgelaufene oder feucht gewordene Tabletten reagieren schwächer und liefern zu niedrige Werte. Bewahren Sie die Blister trocken und verschlossen auf und drücken Sie die Tabletten erst unmittelbar vor Gebrauch heraus. Flüssigreagenzien sind, vor allem frisch angesetzt, nur beschränkt haltbar.
Farbscheiben aus Kunststoff sind nur bedingt lichtecht und sollten bei Nichtgebrauch lichtgeschützt gelagert werden, damit die Vergleichsfarben nicht ausbleichen. Ein scheinbar unerklärlicher Messfehler löst sich oft schlicht dadurch, dass Reagenzien oder Farbskala ihr Haltbarkeitsende erreicht haben.
So messen Sie zuverlässig
Mit ein paar Gewohnheiten umgehen Sie die meisten Fehlerquellen. Messen Sie regelmäßig zur gleichen Tageszeit und unter gleichen Lichtbedingungen, verwenden Sie saubere Küvetten und frische, unbeschädigte Reagenzien und entnehmen Sie die Probe stets 10 bis 30 cm unter der Oberfläche und etwa 50 cm vom Beckenrand entfernt. Halten Sie für die Zielwerte sinnvolle Bereiche im Blick, etwa pH 7,0 bis 7,4 und 0,3 bis 0,6 mg/l freies Chlor im unstabilisierten Privatpool. Plausibilisieren Sie auffällige Werte, bevor Sie reagieren: Passt das Ergebnis zum Aussehen des Wassers und zur letzten Dosierung? Einen vollständigen Überblick, welche Werte in welcher Reihenfolge wichtig sind, gibt Ihnen unser Ratgeber Pool-Wasserwerte im Griff.
Das Wichtigste in Kürze
- Probe aus 10 bis 30 cm Tiefe und etwa 50 cm vom Beckenrand entnehmen, nicht an der Düse; für die pH-Messung ohne Verwirbelung einfüllen, sonst fällt der Wert zu hoch aus.
- Teststreifen sind nur für grobe Tendenzen geeignet, weil Farbempfinden und schwaches Licht das Ablesen verfälschen.
- Cyanursäure regelmäßig kontrollieren und 100 mg/l nicht überschreiten (EN 16713); über 200 mg/l droht Chlorine-Lock, der Test zeigt Chlor an, das Wasser desinfiziert aber kaum noch.
- Chlorwerte über 10 mg/l können den DPD-Indikator ausbleichen und fälschlich niedrig erscheinen; nach Stoßchlorung mit verdünnter Probe, zum Beispiel 1:10, nachmessen.
- Beschädigte, abgelaufene oder feuchte Reagenzien und ausgebleichte Farbscheiben liefern falsche Werte; trocken und lichtgeschützt lagern.
- Auffällige Werte vor dem Nachdosieren plausibilisieren und immer unter gleichen Bedingungen messen.
Fragen & Antworten: Messfehler bei der Wasseranalyse
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Wo entnehme ich die Wasserprobe richtig?
Aus dem oberflächennahen Bereich, etwa 10 bis 30 cm unter der Wasseroberfläche und rund 50 cm vom Beckenrand entfernt. Nicht direkt an der Einlaufdüse, denn dort ist das frisch aufbereitete Wasser nicht repräsentativ. Analysieren Sie die Probe unmittelbar nach der Entnahme. -
Warum ist mein pH-Wert manchmal zu hoch gemessen?
Wird die Probe verwirbelt oder geschüttelt, entweicht Kohlendioxid und der gemessene pH-Wert fällt zu hoch aus. Füllen Sie die Küvette ruhig und ohne Belüftung, um diesen Fehler zu vermeiden. -
Sind Teststreifen genau genug?
Nur bedingt. Sie zeigen schwache Farben bei niedrigen Werten, und das Ablesen gegen eine aufgedruckte Skala hängt vom Farbempfinden und vom Licht ab. Für die präzise Einstellung sind Tablettentests oder ein Photometer zuverlässiger. -
Was ist der Chlorine-Lock und ab welcher Cyanursäure droht er?
Die Cyanursäure sollte 100 mg/l nicht überschreiten (EN 16713), schon ab etwa 70 mg/l sind nur noch rund 28 Prozent des angezeigten Chlors freies Chlor. Liegt die Cyanursäure über 200 mg/l, ist das Chlor fast vollständig gebunden und desinfiziert kaum noch, der DPD-Test zeigt aber dennoch einen scheinbar guten Wert an. Das nennt man Chlorine-Lock. -
Warum zeigt mein Test nach der Stoßchlorung fast kein Chlor an?
Bei Chlorwerten über 10 mg/l kann der DPD-Indikator ausbleichen und nahezu farblos werden, das Ergebnis sieht nach wenig Chlor aus, obwohl sehr viel vorhanden ist. Wiederholen Sie die Messung mit verdünntem Schwimmbadwasser, zum Beispiel im Verhältnis 1:10, und chloren Sie nicht nach. -
In welcher Reihenfolge messe ich freies und Gesamtchlor?
Das freie Chlor wird mit der ersten DPD-Tablette sofort gemessen, das Gesamtchlor erst nach Zugabe der zweiten Tablette und etwa zwei Minuten Wartezeit. Wer zu früh oder in falscher Reihenfolge abliest, erhält verzerrte Werte für das gebundene Chlor. -
Woran erkenne ich, dass meine Reagenzien nicht mehr taugen?
Beschädigte Tabletten mit grauer Verfärbung oder braunen Sprenkeln sind unbrauchbar und dürfen nicht mehr verwendet werden. Abgelaufene oder feucht gewordene Tabletten reagieren schwächer und liefern zu niedrige Werte. Bewahren Sie die Blister trocken und verschlossen auf und drücken Sie die Tabletten erst kurz vor Gebrauch heraus. -
Muss ich auf das Probevolumen achten?
Ja. Das im Verfahren angegebene Probevolumen ist exakt einzuhalten, meist 10 ml. Schon kleine Abweichungen verschieben das Ergebnis, ebenso eine verschmutzte Küvette oder Reste von Spülmittel. -
Wie messe ich insgesamt zuverlässiger?
Regelmäßig zur gleichen Tageszeit und bei gleichem Licht messen, saubere Küvetten und frische, unbeschädigte Reagenzien verwenden, die Probe oberflächennah und etwa 50 cm vom Rand entnehmen und auffällige Werte vor dem Nachdosieren auf Plausibilität prüfen.